Freitag, 18. Mai 2012

Ruhe vor dem Sturm

Trotz Fortschritt und viel Bewegung an allen Fronten ist es hier in der Berichterstattung relativ ruhig geblieben. Das wollen wir doch jetzt mal gleich ändern. ;)

In den vergangenen Wochen habe ich mich hauptsächlich der Zylinderkopfbearbeitung und der abschließenden Behandlung der Nockenwelle hingegeben. Zu beidem werde ich noch separat berichten, da es doch recht umfangreich und noch nicht alles gut dokumentiert ist.

Viel Zeit hat auch das rechte Kurbelwellenlager gefressen. Leider sitzt es noch immer im Gehäuse und hält mich auf. Dem werde ich heute mit einem Trennwerkzeug zu Leibe rücken und wenn das nicht hilft, dann wird es hoffentlich die Presse erledigen.

Am Mittwoch habe ich dann noch die letzten Teile zurück bekommen.Beide Kurbelwellen waren zur Instandsetzung bei der Firma Kexel. Dort habe ich auch noch den Kolben im Bereich des Kolbenhemdes mit temper-flon beschichten lassen:

 
Vormontierter Kolben mit Ringen und temper-flon Beschichtung


Sinn und Zweck dieser Gleitlackbeschichtung auf PTFE-Basis, den meisten eher als Teflon in der Bratpfanne bekannt, ist die Reibungsminimierung. Denn was das Steak oder Soja-Schnitzel in der Pfanne geschmeidig hält, kommt auch dem gequälten Kolben zu Gute. Neben einem Leistungszuwachs (4-8%) verlängert sich vor allem die Lebensdauer des Kolbens. In der Praxis spricht man von einer Verlängerung um guten Faktor 5, teilweise auch 10.

Die Kurbelwelle hatte sich bei der Demontage vor allem am Pleuelauge in sehr schlechtem Zustand präsentiert. Die nur hauchdünne Beschichtung war vollständig abgetragen und starke Riefen waren sichtbar.

Yamaha bietet die Kurbelwelle samt Steuerkettenritzel und linkem Kurbelwellenlager nur als ganze Einheit an. Den Preis will man wahrscheinlich nicht mal wissen.. Deshalb habe ich mich für die Instandsetzung der Welle entschieden und hier können wir das schöne Ergebnis sehen:


Gerichtete und überarbeitete Kurbelwelle

Dabei wurden die Einzelteile der Kurbelwelle auseinander gepresst, bearbeitet und anschließend wieder miteinander verpresst. Das Pleuel wurde im unterem Bereich zusammen mit dem Hubzapfen neu geschliffen und gelagert. Das beschädigte Pleuelauge wurde aufgebohrt und mit einer Bronzebuchse versehen, die anschließend auf das richtige Maß gehont wurde. Das Pleuel ist jetzt auch mit temper-flon beschichtet, was die Reibung und vor allem die Abnutzung an den Berührstellen zum Kolben und zu den Kurbelwellenwangen verringern soll.

Für den Tausch des Kurbelwellenlagers muss das Steuerkettenritzel von der Welle gepresst werden und anschließend mit etwa 0,8mm Abstand zum neuen Lager wieder aufgepresst werden. Da die Kurbelwelle samt Lager nur als ein Ersatzteil zu haben ist, gibt es natürlich offiziell nirgends etwas zu diesem Umstand mit dem kleinen Spalt zwischen Lager und Ritzel zu lesen.

   
Ausgebuchstes Pleuelauge, gehont und beschichtet


Pleuelauge vor der Bearbeitung nach über 40tkm

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