Mittwoch, 13. August 2014

Heimwärts

Montagmorgen -  Hundemüde und noch nicht abfahrbereit. Jetzt muss aber was passieren. Raus aus dem Bett, unter die Dusche und rauf aufs Mopped. Erstmal zur Tanke. Treibstoff und genügend Luft mitnehmen, denn es geht über die Großglockner Hochalpenstraße nach München. Noch schnell Frühstück und Proviant besorgen, Ölstand kontrollieren und gleich was nachkippen. Das ganze Gepäck aufladen und ab gehts nach Norden.
Das Wetter ist schön, aber bedeckt. Im Laufe des Tages soll sich das laut Vorhersage noch ändern. Beim Einstieg zum Großglockner in Heiligenblut hängen die Wolken schon verhängnisvoll an den Bergen. Da gilt es die noch guten Bedingungen zu nutzen und genussvoll bis zum ersten Zwischenstopp bei der Kaiser-Franz-Josef-Höhe zu fahren. Es ist ein faszinierender Anblick, wie sich dort die tiefziehenden Wolken zwischen den Bergen und über dem Gletscher bewegen.
Sicherheitshalber ziehe ich mir die Regenkleidung über und kaum läuft der Motor, fallen auch schon die ersten Tropfen. Auf dem Weg zum Hochtor hört der Regen wieder auf, doch nach dem Tunnel kommt eine andere Art der Feuchtigkeit: Nebel. Oder besser gesagt die deckende Wolkenschicht auf der Nordseite. Jetzt kann ich nur noch das Auto direkt vor mir erkennen und taste mich dahinter durch die Kurven. Leider hört diese Form des Spaßes erst auf einer Höhe von 1.800m und nach einer Fahrstrecke von 10km wieder auf. Da haben sich die 21€ Maut nicht wirklich gelohnt (oder 24€ ohne KärntenCard). Um die Aussicht zu genießen muss ich wohl auf dem Rückweg nochmal hier rüber fahren.
In den nachfolgenden Tälern lassen sich immer wieder Nebelschwaden bewundern und die Wolken schichten sich am Steinernen Meer gleich dreifach.
Dann kommt der Regen. Kräftig wie bei der letzten verhängnisvollen Durchquerung der Gegend im Mai, bei der ich wegen breitflächig aufgetragenem Bitumen in der Kurve gestürzt bin. Jetzt bin ich gut informiert über den Zustand der Strecke und komme gut durchs Nass. Einzig ärgerlich ist die Sperrung der Bundesstraße auf deutscher Seite mit ausgeschilderter Umleitung. Diese ist aber auf eine ganz andere Baustelle bezogen... Wenn man von der richtigen Seite kommt, wird man wenigstens über die ersatzlose Sperrung informiert. Das hätte auch einfacher gehen können. Gegen 18 Uhr sind die 380 km bis München geschafft und ich kann mich auf die Probefahrt der Tiger 800 XC am nächsten Tag freuen. Anderseits macht es mir der Termin schwierig die noch kommenden 600 km bis nach Hause zu bewältigen.
Richtig wach werde ich am Dienstag auch nicht. Besorge dann aber das bestellte Ersatzschloss für den linken Koffer und einen neuen Benzinschlauch. Dann geht es zum Triumph-Händler und rauf auf die Tiger. München ist leider nicht das perfekte Testgebiet für ein Motorrad, aber im Stop&Go lassen sich oft auch die kleinen Dinge erkennen und auf den Autobahnzubringern ist der Verkehr sehr dünn gesät. Hier darf das Dreizylindertriebwerk mit 95 PS mal zeigen was es kann. Und es kann einiges. Leider finde ich keine kurvenreiche Strecke für die wirklich wichtigen Fragen. Es besteht also wieder Nachholbedarf. :)
Um 12 Uhr komme ich endlich los und beschließe soweit durch zu fahren bis ich müde werde oder das Wetter umschlägt. Es wird zwar zunehmend kälter, aber dafür bleibt es sonnig und die kleinen Streckenoptimierungen des Morgens haben ihr Gutes. So werde ich vom Navi durch das Urdonautal geführt, welches jetzt mit Jurafelsen und Naherholungsmöglichkeiten glänzt. Ein wirklich schönes Fleckchen rund um Wellheim.
Am frühen Abend stehe ich plötzlich vor der Wasserkuppe, dem Geburtsort des deutschen Segelfluges vor über 100 Jahren. Der Flugbetrieb des heutigen Tages geht schon zu Ende und die letzten Segler drehen ihre Runden. Ich marschiere schnell auf die Spitze der Wasserkuppe vorbei am Radom und genieße die weite Aussicht.
Noch 190 km bis nach Hause, die sind jetzt auch noch zu schaffen. :)
Leicht rasselnd meldet sich die Kette im Schiebebetrieb und verlangt einen weiteren Zwischenstopp. Also auf einen Parkplatz. Die hintere Achse lösen, alles einstellen und wieder versplinten. Irgendwie geht es vorwärts aber diese ganzen Stopps sind ziemlich Zeitaufwändig und mein Trinkrucksack hatte schon vor Fahrtbeginn den Geist aufgegeben. Wenigstens die Kette bekommt am Ziel ihre Ablösung, denn der TÜV ist fällig und davor muss noch einiges getan werden. Es ist zwar alles sicher, aber man muss ja beweisen, dass es auch in den nächsten zwei Jahren so bleibt. Also neue Bremsbeläge hinten und einen neuen Kettensatz. Ein zweiter Spiegel wäre auch nicht verkehrt. Ups.
Naja, jetzt ist die Plakette drauf.

Gegen 23 Uhr erreiche ich mein Heim mit dem Tachostand 63.636,3 km.
Damit sind 1.050 km in den letzten 36 Stunden geschafft und ich bin reif... fürs.. Bett.




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